Das Phänomen Realfake

Wenn ich nur gewusst hätte, dass es sowas gibt, wäre ich skeptisch geworden.

Manche Informationen im Netz erscheinen so absurd, dass man direkt weiter klickt und sich nichts dabei denkt. Völlig absurd und doch anders ist die Geschichte der Viktoria Schwartz aus Hamburg, die ich kürzlich bei Facebook las. Natürlich hat sie mit Persönlichkeitsrechten und Anonymität zu tun, daher finde ich es wichtig, sie hier zur Kenntnis zu bringen.
41rQ++boPOL._SX309_BO1,204,203,200_Als Internet-affine Frau lernte sie in einer Community einen Mann kennen (so glaubte sie) und verliebte sich in ihn. Das Facebook-Profil des Mannes, seine Kontakte, sogar Telefonate – all das erschien glaubwürdig, bis – ja, bis es zu einem Treffen kommen sollte. Immer wieder verleugnete sich der Angebetete aus den USA, stattdessen kamen aber Geschenke im Wert von mehreren tausend Dollar. Ein Treffen wollte aber einfach nicht zustande kommen. Da wurde Frau Schwartz doch skeptisch und begann nachzuforschen. Die Überraschung und Enttäuschung ist für mich nicht vorstellbar, als sie herausfand, dass es sich um eine Frau handelte, die sich hinter einem Männerprofil versteckte und ihr die Beziehung vorgaukelte. Welchen Aufwand diese Frau betreiben musste, um Frau Schwartz in ihrer emotionalen Abhängigkeit zu halten. Das gefälschte Facebook-Profil. Die gefälschten Profile der Freunde und Freunde der Freunde. Die Mails und sogar Telefonate, die mit einem Stimmverzerrer geführt worden sein mussten. Und nicht zuletzt die Ausgaben für die Geschenke. – Und das alles, um eine Identität vorzugaukeln, in die sich eine fremde Person verliebt.

Diese Erfahrung hat Viktoria Schwartz in einem Buch verarbeitet „Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen Realfakes“. Täglich, so schreibt sie, melden sich Menschen bei ihr, die Ähnliches erlebt haben und Rat und Hilfe suchen. Das Phänomen scheint weit verbreitet zu sein, die Verfolgung indes erweist sich als schwierig, da es in Deutschland nicht strafrechtlich relevant ist, unter einer fremden Identität Kontakte zu knüpfen.

Meine Hoffnung ist, durch die Bekanntmachung dieses Phänomens mögliche Opfer durch Aufklärung zu stärken.

Wenn ich nur gewusst hätte, dass es sowas gibt, wäre ich skeptisch geworden.

Category: Allgemein
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